Durchbruch

Hunti ist jetzt mein zweiter TWH, der erste, Camots ist vor 3 Jahren gestorben, davor hatte ich einen Labrador. Alle Rüden, alle adoptiert, die beiden TWHs mit je 2 1/2, Labrador James mit 5… So. Einen “normalen” Hund, wie einen Labrador in meine Welt einzuladen und auf ein gutes Zusammenleben anzupassen, kann Herausforderungen bieten, wird aber doch recht bald mit Dankbarkeit und Freude am Zusammenleben quittiert.

Nicht so beim (ausgewachsenen…) TWH…   6-8 Monate nichts als Missverständnisse, volle Anspannung und nie langweilig… Wir sind dann dort in der Schweiz ganz in der Nähe zu einer Hundeschule gefahren, mehrere Hundeführer (Polizei) waren auf dem Platz, der Trainer bei der Arbeit. Geparkt, das Riesenteil Camots ausgeladen – und es war still auf dem Platz. Der Trainer hat die Stunde unterbrochen und kam gleich mal längsseits, Camots begrüssen, Den hatte ich schon ganze zwei Wochen, war aber vorher mit ihm schon im Tierheim sechs Wochen jeden Tag spazieren – kannte ihn also schon ganz gut und wusste was kommt: Camots hat auf Fremde immer mit demonstrativem Desinteresse reagiert (angewidert wegdrehen…). Das fand der Trainer wohl spannend, und meinte auf meine Frage nach einem Sachkundenachweis, ja, das bekommen wir hin. Die erste Stunde ein paar Tage später, begann er dann mit “also, alles was hier auf dem Platz sonst so gemacht wird, können wir hier schnell vergessen. Unterordnung gibt es nicht, Teamwork, Augenhöhe und Vertrauen. Noch besseres Timing (als beim Training mit anderen Hunden) ist gefragt, Körpersprache (Körperspannung) wichtig und die Stimme alles entscheidend. Wenn frech werden angesagt ist, ruhig bleiben und zurückrempeln… ” Das Wichtigste war jedoch, dass der Trainer das Wesen von Camots sofort erkannt hat: der war “Royalty” eine absolute Majestät. Camots musste dort auch nicht viel lernen, ich dafür um so mehr… Den Sachkunde-Nachweis (Schweiz) hatte ich dann schnell, wir sind aber weiterhin regelmässig zum Training gegangen um an Camots’ Kanten zu arbeiten (hat ganz gern mal in andere Rüden reingehackt, regelmässige Panikattacken bei urbanen Einflüssen, Menschenansammlungen und vor allem Booten… 😉 ) und (arbeiten) an meinen Führungsqualitäten….

Zeitsprung / heute: Als Hunti kam, der im Vergleich zu Camots wie ein Lamm auftrat, sah es aus, als wird das ein Spaziergang… Weniger Majestät, dafür freundlich, sozial und voller Lebensfreude. Auch das Trauma vom “Abgegeben werden” hielt sich (im Gegensatz zu Camots) in Grenzen. Aber nix da von wegen easy: wieder 8 Monate voll am Anschlag “warum habe ich mir das angetan…” und einmal gaaaanz dicht am aufgeben. Diese ausgewachsenen Kerle sind halt extrem schlau, lesen Dich besser als jedes Buch und erkennen Schwächen aus 1000km gegen den Wind. Und da kann der TWH noch so freundlich sein, bei Schwäche und fehlender Führungsqualität setzt halt der Selbsterhaltungs- und Überlebenstrieb ein und Verantwortung wird an sich genommen… Ich hatte gleich in den ersten Wochen eine Zahn-OP, wochenlang Zahnschmerzen und dann kam der Lockdown… Ergebnis war, dass wir zwar gut zurecht gekommen sind, aber eigentlich überhaupt keine Lust aufeinander hatten. Mir hat es gestunken, dass ihn Mountainbiken mit mir nicht interessiert, aber der Herr auch nicht allein gelassen werden kann. Ausserdem haben wir es nicht geschafft, ein Spiel zu finden, an dem wir beide Spass hatten (zum Beispiel Kong Flyer (Frisbee) werfen – den konnte ich mir immer selber wiederholen). Ihm war es bei mir zu wenig “Leben in der Bude” er ist höchstsozial und schien ein “grösseres Rudel” zu brauchen. So hat er demonstrativ gezeigt, dass er viel lieber bei einer befreundeten Familie mit Kindern und Hund rumhing, der Familienvater sein “Wahl-Alpha” war und er eigentlich auf mich keine Lust hatte. Na Super. Der Tiefpunkt war für mich eine Wanderung in den Karpaten, wo wir eine Bärenmutter mit zwei Jungen überrascht haben. Die sind drei Meter vor uns aufgesprungen, haben markerschütternd gebrüllt und sich zum Glück in die andere Richtung, den Berg rauf, verzogen. Hunti war zu diesem Zeitpunkt missmutig neben mir hergetrabt, hat die Gefahr nicht gewittert oder mich gewarnt und hat sich dann, als die Bärin aufsprang hinter mir versteckt… 😉 Das Verhalten hat mich sehr überrascht (und enttäuscht) denn von Camots kannte ich das anders: der war im Wald der König – und meine “Augen und Ohren”.    

Doch dann kam, wie eigentlich zu erwarten, nach 6-8 Monaten die Wende. Der Auslöser war, dass wir inzwischen aus der Stadt in die Natur gezogen sind – Berghütte mit grossem Grundstück, direktem Anschluss an die Trails und super netten Nachbarn – und siehe da, auf einmal der Durchbruch, die Wende… Hunti ist jetzt irgendwie erwachsen geworden, wird auch gern mal wieder “Hunter” genannt und ist wie umgewandelt: interessiert, ruhig, überlegen und ein super Begleiter. Befreundet mit den Nachbarn, aber lieber bei mir, und zurückhaltend wenn Abstand gebraucht wird (Treffen mit neuen Menschen). An Kommandos haben wir uns konzentriert auf Dinge, die den Alltag ermöglichen: Zu mir, Sitz, Platz, Roll, Zurück, Bleib, Raus, Pack (in Arbeit…), Pat (Pfote), Pass auf – alles idealerweise nur geflüstert. Physische Korrekturen so gut wie nicht notwendig, Stimme reicht.

Hundeschule ist bisher nicht angesagt, da hat sich nix brauchbares ergeben…